Platz der Freundschaft

Einreichung fĂĽr die Neugestaltung des Karl Lueger Platzes in Wien
Weil der Namensgeber und Wiener Bürgermeister Karl Lueger sich als Politiker des antisemitischen Populismus bediente, schrieb die Universität für angewandte Kunst Wien 2009 einen Wettbewerb zur Umgestaltung des Denkmals zu einem „Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus in Österreich“ aus.[1]

Idee/ Konzept: Shira Z. Carmel ( Israel) Heike Kaltenbrunner (Ă–sterreich
Zeichnungen: Miriam Mone
Podest, Anordnung: Heike K.

In unserer Vorstellung von einem neuen Platz an der Ecke Wollzeile/ Ring wird Dr. Karl Lueger der Blick auf freundschaftliche Umarmungen und Szenen des Miteinanders eröffnet. „Seine“ Statue soll erhalten bleiben, es sind ihm jedoch Szenen aus der Gegenwart gegenübergestellt, die seinem Griff ans Herz mitunter einen neuen Aspekt verleihen.

Auf Plateaus unterschiedlicher Höhe stehen Plastiken von Menschen: Frauen, Männern und Kindern. Keine Helden, Machthaber oder Männer großer Taten sondern einfach Menschen, common people, aus unterschiedlichen Gesellschaften. Lachend, singend, redend; in inniger Umarmung. Das oberste, erhabene Plateau bleibt scheinbar leer.

Wir, Shira Carmel aus Israel und ich, Heike Kaltenbrunner aus Österreich sind auch unter diesen Freunden. Nicht etwa um uns selbst ein Denkmal zu setzen, sondern weil wir eine gemeinsame Geschichte erzählen möchten.

Im Jahr 2001 Jahren lernten wir uns während dem Studium an der Universität für Angewandte Kunst kennen, und teilen seither eine intensive Freundschaft. In einem Gespräch, das uns beiden noch in guter Erinnerung ist, unterhielten wir uns über die Zeit in unserer früheren Jugend, als wir beide uns der Schrecken des Holocausts gewahr wurden. Shira erzählte mir von den Fragen die sie sich als Jüdin dadurch zu stellen begann „Warum hassen uns alle so? Was ist so schrecklich an uns Juden?“ und die Gefühle die damit verbunden waren. Diese zu beschreiben fiel ihr schwer; da ist ein sehr großer Schmerz, Verletztheit und tiefe Traurigkeit.

Für mich war das eine neue Perspektive ich erzählte Shira daraufhin von diesem Schockmoment in meinem Leben. Bei einer Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Befreiung des Lagers Mauthausen las ich meinen Nachnamen: Kaltenbrunner, Ernst Kaltenbrunner, SS Funktionär. Ich war damals 16 Jahr alt und die Eindrücke der unfassbaren Gräultaten die in diesem Konzentrationslager begangen worden sind und das Ausmass des Holocaust begann ich eben erst zu erfassen und sie erschütterten mich zu tiefst. Alles was ich davor in der Schule gelernt hatte, wurde zu einem viel persönlicheren Thema, verbunden mit Scham, schlechtem Gewissen und Shuldgefühlen.

Im weiteren Verlauf unseres Gesprächs haben wir erkannt, daß es Freundschaften wie die Unsere sind, in denen die Kraft liegt die Narben die solche Ereignisse hinterlassen zu heilen.

In einer Stadt wie Wien gibt es bestimmt unzählige solcher Geschichten. Freundschaften zwischen Menschen aus verschiedenen Teilen Ex-Jugoslawiens zum Beispiel. Zwei junge Frauen in meinem Alter vielleicht, die mit 12 Jahren nach Wien geflĂĽchtet sind. Ein Israeli und eine Palestinenserin, die gemeinsam in einer Band spielen, jĂĽdisch- arabische Ehepaare, wer weiss…. Von Ihnen soll hier erzählt werden, bzw. sollen sie besser selbst erzählen.

Das scheinbar leere, erhabene Plateau, soll nicht leer sein, sondern nur niemanden abheben. Im Inneren soll dieses Plateau einen Radiosender, bzw. Streamingserver beherbergen, um die Erzählungen der dargestellten Personen sowie weitere Informationen und Materialien, in der unmittelbaren Umgebung des Platzes und im Internet zur Verfügung zu stellen.

Heute 2019 also 10 Jahre später, sind Platz und Denkmal unverändert.