die tönen / they sound

interaktive Klanginstallation fĂŒr den öffentlichen Raum

in Zusammenarbeit mit
Dr. Thomas Grill, PD-Programmierung, AI
Agnes Hvizdalek , Stimme

Ausstellungen
Premiere Konfrontationen, Soundart-Ausstellung, Nickelsdorf 2014
Klangmanifeste, KĂŒnstlerhaus, Wien 2014
Klangkunsttage, WellWellWell, Wien 2014
Kunst in der Natur, Wachtberg, Gars am Kamp 2020

Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine interaktive Klanginstallation, die improvisierte Musik als einen lebendigen Organismus begreift. Die Besucher/innen finden diesen akustischen Organismus versteckt in BĂŒschen, BĂŒcherschrĂ€nken oder anderen unscheinbaren Orten. Ein Organismus besteht aus mehrerern Individuen, die im Hintergrund ruhen doch aber empathisch und aufmerksam auf ihre Umgebung reagiert. Schöpfend aus einem Vokabular, das aus kurzen Arrangements und klanglichen Gesten besteht, kommentiert er seine akustische Umwelt und reagiert emotional auf ihre Äußerungen – mit Zustimmung, Abscheu, Langeweile, RĂŒckzug oder Freude, von seiner Vorliebe fĂŒr das Überraschungselement ganz abgesehen.

Die Installation hat drei Hauptkomponenten:
Erstens, ein Set an Lautsprechern, mit Soundkarte und Computer,
zweitens ein Vokabular aus Arrangements und Gesten experimenteller Musik, aufgenommen mit der Vokalistin Agnes Hvizdalek.
Drittens, eine Echtzeit-Software die mittels Techniken aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz und der Cognitive Science dem Organismus die FĂ€higkeit des Verstehens und des empathischen Reagierens verleiht.
Als Betrachter/in hat man die Möglichkeit Ausdrucksformen experimenteller Musik in
einem nicht frontalen Szenario zu hören, deren Ablauf zu beeinflussen und mitzuspielen.
Zu sehen sind für die Besucher/innen nur das Habitat und die Lautsprecher, man
kann also von einer „hidden installation“ sprechen.

Die Besucher/innen werden in einer Experimentalanordnung zur unmittelbaren Kommunikation eingeladen – zur Konfrontation mit einer zunĂ€chst rĂ€tselhaften,
aber emotionalen und facettenreichen Sprache, die sich aus experimenteller Musik nÀhrt.
Mittels technologischer Hilfsmittel deklinieren wir musikalische Ausdrucksformen zu einer neu erfundenen Sprache, gesprochen von Organismen die die direkte Kommunikation mit dem Umfeld suchen aber auch ‚unter sich‘ kommunizieren. Wer als Besucher/in selbst still ist und zuhört, kann dieser Kommunikation lauschen.

Wir bewegen uns damit im Feld “reaktiver Musik”, an der Schnittstelle zwischen Musik
und Medienkunst. Das spezifische an ‚die tönen‘ ist die Verbindung von Techniken aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, die durch Emotionsanalyse wirkliche Kommunikation, also ein Verstehen ermöglicht, und der Simulation eines lebendigen Organismus
durch Experimentelle Musik.

Das Klangvokabular wird dazu im Vorfeld in einzelne Phrasen zerlegt, analysiert und kategorisiert. In der Interaktion wird ad-hoc ein passendes Arrangement oder eine passende Geste ausgewĂ€hlt, in Reaktion auf klangliche Äußerungen der Besucher/innen. Übergeordnet gibt es einen Bogen aus unterschiedlichen AktivitĂ€tslevels.


Selbst die einfache Input-Output Relation der VorgĂ€ngerarbeit ‚Ich glaub‘ das sind Viecher da oben‘ (2010), die mit einer simplen Pegelanalyse der UmgebungsgerĂ€usche arbeitete, führte zu verblüffenden Interaktionen.

Stimmen einer Gruppe grotesker Tiere – gespielt von Susanna Gartmayer an der Kontraaltklarinette – waren in einem Baum in Nickelsdorf
angesiedelt. Die Gruppe reagierte auf Pegelunterschiede der UmgebungsgerĂ€usche. Bei ruhiger Umgebung tönte sie friedlich vor sich hin. Ein lautes „Hallo“ seitens der Besucher/innen etwa, provozierte aufgeregtes Gemurmel.
Mehrere laute Rufe, oder ein Windstoß, der zu lautem BlĂ€tterrauschen führte, rief eine aggressive Abwehrhaltung hervor.
Einer verbesserten Analyse der UmgebungsgerĂ€usche und vor allem der Möglichkeit, durch Strategien aus dem Feld der künstlichen Intelligenz auf Kommunikation durch die Besucher genauer einzugehen, steht nun bei ‚die tönen‘ ein ausgefeilteres Repertoire an Reaktionsmöglichkeiten und charakteristischen Phrasen gegenüber.
Laute Rufe etwa, rufen nicht immer dieselbe Reaktion hervor. BlĂ€tterrauschen wird von einer murmelnden Besuchergruppe unterschieden und ein freundliches „Haaaallo!“ von einem agressiven.

Der Charakter des ‚Organismus‘ ist durch seine Reaktion gestaltet.
Führt missmutige Erregung etwa bis zum Kontrollverlust oder zum Rückzug?


Diese Möglichkeiten erlauben uns, eine ausdrucksstarke interaktive Komposition/ Installation zu gestalten. KlangschwÀrme zwischen menschlichen, tierischen und instrumentalen Gesten, zwischen Ruhe und Erregung, Nachvollziehbarkeit
und Überraschung werden sich zwischen den ZuhörerInnen breitmachen – natürliche und künstliche Intelligenz treten in klanglichen Austausch.

Review of “die tönen” on Classicalite

2014-09-18

Andrew Choate reported on his visit to this year’s Konfrontationen Festival in Nickelsdorf on Classicalite. This is what he wrote about Heike Kaltenbrunner‘s, Agnes Hvizdalek‘s and my contribution die tönen to the accompanying sound art exhibition, curated by noid. I think he nailed it:

The barn was dark, and when you walked into the curtained room on the left, you couldn’t see very well, but suddenly a tiny siren sound would be coming from a corner, and as you approached it to investigate (your eyes were still adjusting to the darkness), another wimpered ding would come from behind you, so you’d turn around quickly, and then you’d hear something rattle from high on a shelf, and soon enough there was a small symphony of impeccably timed and wildly divergent and discrete sounds coming at you from every direction. It was unsettling, fascinating and awesome. All the more so because the objects that all the speakers were invisibly embedded within inside this small room were so quotidian and seemingly innocuous: tires, piles of fertilizer, garden tools, shelves of sod, sacks of grain, etc.
Michael lives and works on a farm in Western Illinois, and he found it frighteningly similar to going in the chicken house in the morning, while it’s still dark, since you never know what you’re going to find in there–raccoon, possum, coyote, snake, dead chicken? The deeply cramped space made it inevitable that you’d run into someone or something else while inside, adding to the nerved sensations.

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die tönen @ Konfrontationen Nickelsdorf, July 17-20

2014-07-20

Together with Thomas Grill i developed and set up the interactive sound installation â€œdie tönen” for the sound art exhibition at the festival Konfrontationen Nickelsdorf. The variation shown at this event features the voice of Agnes Hvizdalek, emanating from various strange original objects in a farmer’s barn.

Konfrontationen Nickelsdorf festival 2014

2014-11-30

‚die tönen‘, part of Klangmanifeste 2014, opening December 3

The sound environment die tönen developed by Heike Kaltenbrunner and me has moved to the Klangmanifeste festival! Come and listen to our site-specific take on Agnes Hvizdalek‘s vocalizations in the KĂŒnstlerhaus.

Die „Hörschau“ Klangmanifeste prĂ€sentiert Arbeiten, die im Grenzbereich zwischen Klangkunst und Bildender Kunst angesiedelt sind. 24 Positionen – Installationen und Objekte, aber auch Konzerte und Performances – setzen sich mit der MaterialitĂ€t akustischer Ereignisse und der akustischen Dimension von Material auseinander. Es wird erkundet, inwiefern sich die Gattungen ĂŒberschneiden, ergĂ€nzen oder gegenseitig in Frage stellen.
Bespielt wird neben dem echoraum im 15. Bezirk heuer erstmals auch das KĂŒnstlerhaus am Karlsplatz.
Kuratiert von Ulla Rauter, Christine Schörkhuber und Verena DĂŒrr.

echoraum: Sechshauser Straße 66, 1150 Wien
KĂŒnstlerhaus, KĂŒnstlerhauspassage: Karlsplatz 5, 1010 Wien

Opening hours KĂŒnstlerhaus: Mon–Fri 10:00–18:00
KĂŒnstlerhaus Passage: Wed, Thu, Fri 16:00–20:00
echoraum: Wed and Fri 18:00–22:00 and on demand.

‚die tönen‘ part of Klangkunsttage 2014, Vienna, November 20-22

2014-11-06

The sound environment die tönen developed by Heike Kaltenbrunner and me will be part of Klangkunsttage 2014. Come and listen to our very special arrangement of Agnes Hvizdalek‘s vocalizations in the creepy basement of wellwellwell.

Die Klangkunsttage sind ein nomadisches Festival, dass temporÀr, RÀume in Orte performativer Praxis transformiert. Ziel des Festivals ist es, Austausch, Vernetzung und PrÀsentation neuer Gestaltungsformen an der Schnittstelle von bildender Kunst und Musik zu fördern um so ein einen Ausschnitt aktueller Produktion zu vermitteln.
Bei der diesjĂ€hrigen 2. Auflage des Festival werden neben den Bezugspunkten zur bildenden Kunst auch die Überschneidungen von Soundart und Pop thematisiert.
Das Festival findet in Kooperation mit dem Ausstellungsraum wellwellwell und der Vienna Art Week statt. Es werden Konzerte & Performances, als auch eine drei Tage andauernde Ausstellung mit Fokus auf Transformationen von Klang, sowie themenspezifische VortrÀge und Workshops das Programm ergÀnzen.
Mit BeitrÀgen von:
blauwurf, Bastl Instruments, Didi Bruckmayr, Heinrich Deisl, Klaus Filip, Michael Fischer, Gammon, indicator 2000, Khan, Karl Kilian, Michael Koch, Thomas Grill & Heike Kaltenbrunner, Johannes Kreidler, Robert Mathy, Stefan Nussbaumer, Jörg Piringer, RSHMTH, Christine Schörkhuber, Julia Tazreiter, Vertikals.

KLANGKUNSTTAGE 2014
wellwellwell, Mittersteig 2a, 1040 Wien

November 20 thru 22
Exhibition: Thu: 7-10pm und Fri/Sat 12noon-6pm
Concerts: daily 7-10pm

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Das Projekt wurde vom SKE-Fonds und der Kulturabteilung der Stadt Wien gefördert .

Fotos: Julia Tatzreiter, Thomas Grill, Heike Kaltenbrunner

Dank an:
Garnison7
Florian Waldner
Konfrontationen
Karl Salzmann
Noid
Klaus Filip
Klangmanifeste